„Verbietet das Bauen!“1, es kann nicht jeder in der Stadt wohnen, wir brauchen 400.000 Wohnungen, Beton ist böse/Holz ist gut, Klimawandel mit zu heißen Städten und Flutkatastrophen, keine Einfamilienhäuser mehr, Schwammstadt, 10 Hektar Versiegelung pro Tag in NRW…

Alle diese Punkte sind Aspekte, die Einfluss auf unser Bauen, aber auch Wohnen und damit Leben haben. Festzuhalten ist: Es ist von allem zu wenig da, sei es Land, das noch versiegelt werden darf, Sand, Erdgas, Microchips, und nun auch alle Metalle. Das ist nicht erst seit der Ukraine-Krise so. Schon seit den Siebzigern ist das nach dem aufrüttelnden Bericht „Grenzen des Wachstums“2 bekannt, spätestens aber mit dem Bekanntwerden des Klimawandels absehbar.

Weiter wie bisher ist nicht mehr möglich, geschweige denn innovativ. 400.000 Wohnungen bedeuten Platz für über 800.000 Menschen. So viel Zuwanderung haben wir nicht. Wir haben keine Wohnungsnot, sondern ein Verteilungsproblem. Jahr für Jahr wächst der Wohnraum pro Person und frisst all unsere Erfolge bei den Energieeinsparungen auf. Daran werden auch Cradle to Cradle und/oder Passivhäuser nichts ändern. Wenn eine zu groß geratene Villa nach einem oder beiden dieser Standards gebaut wird, ist das genauso pseudo-nachhaltig, wie SUVs mit Elektromotoren auszustatten – da hilft auch kein smart-home.

Wenn die Menschheit überleben will, dürfen wir uns nichts mehr vormachen. Cradle to Cradle, Passivhäuser und Elektromobilität sind ein richtiger Schritt in Richtung Nachhaltigkeit; ändern wird das dennoch nur wenig. Wir brauchen im Bauen eine 5. Dimension! Neben der HxBxT und dem zeitlichen Faktor brauchen wir eine soziale Komponente. Genau das fordert Environmental Social Governance (ESG). Es wird nicht mehr reichen, alles so zu machen wie bisher – nur in „öko“. Wir dürfen uns nicht scheuen, das Wort Suffizienz zu gebrauchen. Denn es bedeutet am Ende für alle Mehr und auch mehr Lebensqualität. Lasst uns den Auto-Posern unsere Städte wieder wegnehmen und Qualitätsräume schaffen, die auch jungen Familien das Leben in der Stadt ermöglicht und damit gleichzeitig die Niederschlagsaufnahme und Verdunstung) möglich macht.

Bei ESG werden insbesondere solche Baugesellschaften vorne sein, die sich vor allem dem „S“ verpflichtet fühlen. Als starke Akteure am Wohnungsmarkt mit Gemeinwohlbezug legen sie einen besonderen Fokus auf die nachhaltige Entwicklung von Quartieren und deren qualitätvolle Wohnumfeldgestaltung.

Der Weg muss hin zu Sharing-Gesellschaften gehen, um Material- und Platz-Ressourcen zum Nutzen aller zu teilen. Die Baugruppen machen es uns zum Teil mit der gemeinsamen Nutzung von Räumen vor. Der soziale Zusammenhalt gegen die Schwammstadt (geordnete Vereinsamung ist einer der vielen Gewinne. Verbietet nicht das Bauen, lasst uns anders bauen und Qualitäten unabhängig von Größen schaffen!

Quellen:

1 Daniel Fuhrhop, Verbietet das Bauen! Streitschrift gegen Spekulation, Abriss und Flächenfraß. 2. Auflage, oekom, München 2020
2 Club of Rome, Studie, 1972

 

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